Herz-Jesu-Kirche

Die Kirche im neogotischen Stil wurde zwischen 1891 und 1894 nach den Plänen des Architekten Josef Laizner, Direktor der Czernowitzer Gewerbeschule, gebaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juni 1891. Die Glocken der Kirche stammten aus Schottland. Nach der größten Glocke, die den Namen Herz-Jesu trug, wurde die Kirche benannt. 1857 zählte die römisch-katholische Gemeinde in Czernowitz 7.347 Gläubige. Um 1900 wuchs sie auf 18.696 Personen. Die römisch-katholische Gemeinde war die zweitgrößte in der Stadt nach der jüdischen Gemeinde. Als Träger der katholischen Kirche in der Bukowina fungierte der Jesuiten-Orden, der im 19. Jahrhundert vorwiegend in Galizien tätig war. Mit der wachsenden Czernowitzer Gemeinde wurden auch die Stimmen nach einer neuen Kirche für Katholiken laut. Nach der Genehmigung der Landesregierung wurde eine Fläche auf dem damaligen Ferdinandplatz im Süden der Stadt ausgewählt.

Herz-Jesu-Kirche
Religionsgebäude & Friedhöfe
built
1891 - 1894

Die offizielle Einweihung der Kirche fand am 25. Oktober 1894 durch den Erzbischof aus Lemberg, Seweryn Ritter von Morawski, statt. Angaben zu Größe und Fassungsvermögen lieferte die lokale Presse: „Die in rein gothischen Style [sic] gehaltene Kirche ist im Innern 14 Meter, mit dem Thurme 60 Meter hoch und hat im Kirchenschiff, das 26 Meter lang und 17 Meter breit ist, einen Fassungsraum für 2000 Menschen.“ (Bukowinaer Rundschau, 23. Oktober 1894, S. 3).

In der Zwischenkriegszeit gab es täglich um 9 Uhr einen Gottesdienst in der Kirche, sonntags sogar zweimal: um 9 Uhr auf Deutsch und um 11.30 Uhr auf Polnisch. Nach dem Wiedereinzug der sowjetischen Armee nach Czernowitz 1944 wurde die Kirche durch die sowjetischen Behörden konfisziert. Alle katholischen Geistlichen verließen die Stadt. Das Gebäude wurde zunächst der orthodoxen Kirche übergeben, jedoch verlor es 1960 seine Funktion als Gotteshaus. Die sowjetische Verwaltung errichtete hier ein staatliches Archiv. Das Gebäude wurde im Inneren komplett umgebaut: mehrere Decken und Wände wurden eingezogen. Die wertvolle Kirchenorgel wurde auseinandergebaut und gilt heute als verschollen.

In den nachfolgenden Jahrzehnten verschlechterte sich der Zustand des Kirchengebäudes sukzessive. 2010 gab die Stadt Czernowitz das Gebäude der katholischen Gemeinde zurück. Nach dem Umzug des Staatlichen Archivs wird die Kirche restauriert. Der Fußboden und der Zaun um das Gebäude herum sind noch im Original erhalten. In der letzten Zeit finden dort jeweils sonntags zwei Gottesdienste statt. (http://www.serceisusa.org/).

Text: Kateryna Stetsevych und Oksana Herheliinyk