Julius Weber

Der Journalist und Publizist Julius Weber wurde in einer jüdischen Familie in Lemberg geboren und kam über Frankfurt/Main im Jahr 1903 nach Czernowitz, wo er sich schnell journalistisch betätigte. Er verfasste für das neugegründete „Czernowitzer Tagblatt“ regelmäßig die Leitartikel, schrieb auch für die „Frankfurter Zeitung“ und die Czernowitzer „Volkswehr“ (Organ der jüdischen Nationalpartei in der Bukowina) und war als Kunstrezensent und Referent für das Stadttheater aktiv.

Julius Weber
1888 (Lviv) - 1942 (Brazlav)
Journalist

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieb er trotz der russischen Besatzung noch einige Zeit in der Stadt und veröffentlichte im März 1915 das Buch „Russentage in Czernowitz“. Seine als Bericht angelegte Publikation gibt in zwanzig kurzen Kapiteln auf 74 Seiten detailliert die Vorgänge während der ersten und zweiten russischen Besetzung der Stadt wieder.

Zusammen mit Elias Weinstein gründete er 1918 das „Czernowitzer Morgenblatt“, das bis 1940 bestand. Als er 1919 in einem Artikel die Rumänisierungspolitik kritisierte, wurde das Blatt für einige Tage eingestellt und sein Name verschwand aus dem Impressum.

1941 geriet er wie die viele Juden der Stadt in das Czernowitzer Ghetto. Im Juni 1942 wurde er in das Lager von Brazlaw (Transnistrien) deportiert und dort erschossen.

Text: Markus Winkler

Materialien:

  • Julius Weber: Die Russentage in Czernowitz. Die Ereignisse der ersten und zweiten russischen Invasion. Czernowitz 1915
  • Ioana Rostoş: Julius Weber (1888–1942): Chefredakteur des Czernowitzer Morgenblattes. In: Markus Winkler (Hg.): Presselandschaft in der Bukowina und den Nachbarregionen. Akteure – Inhalte – Ereignisse (1900–1940) (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas 121). München 2011, S. 97–103.