Asylverein

Der Czernowitzer Asylverein trat am 10. April 1886 zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen. Der Verein hatte zum Ziel, Obdachlosen vorübergehend eine Unterkunft für die Nacht zu bieten und sie am Morgen und am Abend mit Tee und Brot zu versorgen. Nachdem ein geeignetes Gebäude (ehemaliges „Marinsche Haus“) für den Vereinszweck für einen Betrag von 15.000 Gulden gefunden worden war – in der Waaggasse 6 (heute Tolstoho 6) – direkt anschließend an den damaligen Mehlplatz und späteren Rudolfsplatz (heute Philharmonieplatz) –, regte sich Kritik an diesem Standort im Zentrum der Stadt (Bukowinaer Rundschau, 8.August 1886, S. 4).

Asylverein
Nationale Häuser & Vereine
built
1886 - 1886

Dennoch führte der Verein seine Arbeit in der Waaggasse fort und gewann auch einige namhafte Mitglieder, wie beispielsweise den Gemeinderat Naftali Tittinger. Allerdings geriet der Verein nach einigen Jahren in eine Krise und bestand offenbar in dieser Form und an diesem Standort nur bis 1894. Die lokale Presse berichtete darüber, dass der Verein zu diesem Zeitpunkt „de facto nicht existiert, weil er zu wenige Förderer gefunden“ habe (Bukowinaer Rundschau, 19. September 1894, S. 2). Am 12. September 1907 wurde der Verein wieder gegründet, nun lag der Standort in der Isidor Worobkiewiczgasse 12. Der Landespräsident Oktavian von Bleyleben trat dem Verein als Stifter bei. Der Gemeinderat stellte 2.000 Kronen zur Verfügung. Schnell zählte der Verein 400 Mitglieder, im Jahr 1910 waren es bereits 870 Mitglieder (Bukowinaer Post, 3. April 1910, S. 5). Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt auch die Aufgabe, die Bedürftigen mit Kleidung zu versorgen und arbeitsfähigen Obdachlosen eventuell auch eine Arbeit zu verschaffen. Im Vereinsjahr 1907/08 zählte der Verein knapp 7.500 Übernachtungen für Menschen „ohne Unterschied des Geschlechts, der Nationalität und Konfession“ und konnte rund 15.500 Essensportionen verteilen (Czernowitzer Allgemeine Zeitung, 28. Februar 1909, S. 5). Vereinsvorsitzende waren 1914 Philipp Füllenbaum und Elias Kampelmacher.

Text: Markus Winkler